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Kornpresse

 

 

Fremder Vogel Rommelfanger

- Wie man Ex-OB wird - 

Am 1.2.2008 um 17 Uhr wird in der Kornwestheimer Galerie eine ganz besondere Biographie vorgestellt.

Im Verlag FischerLautner Ditzingen erscheint sie unter dem Titel "Fremder Vogel Rommelfanger" und ist als einer Art Polit-Satire verfaßt. Autorin ist Christa Gießler. Sie hat Literatur studiert und schon mehrere Romane und Erzählungen veröffentlicht.

Die Kompresse freut sich, Ihnen heute vorab eine kleine Kostprobe aus der Biographie vorstellen zu dürfen.
Als ich vor ein paar Jahren das erste Mal vom Rommelfanger hörte und bei Kennern der hiesigen Arten nachfragte, warum so viel Böses über ihn berichtet würde, hieß es, dass das eben ein fremder Vogel sei. Sonst nichts. Seitdem wollte ich wissen, was es mit diesem fremden Vogel auf sich hat.  Nun weiß ich es - und erzähle es Ihnen!
Nennen wir ihn doch einfach Uro, dessen Geschichte hier erzählt werden soll. Das ist nicht sein richtiger Name, aber auch die Falschen werden hier nicht mit ihrem richtigen Namen genannt. Uro klingt phonetisch ein bisschen nach Ufo nach einem Außerirdischen bzw. nach jemand, der von weit her kommt und sich nach der Landung in unseren Gefilden die Augen reibt, was hier so fleucht - Vögel und anderes Getier. Um Namen geht es ja nicht, sondern um einen Weg und eine Wahl und um ein Stück Zeitgeschichte, von denen hier erzählt werden soll. Nichts Dramatisches. Vielleicht sogar etwas recht Unspektakuläres: Uro war einmal ein Kind, wurde dann erwachsen und nach ein paar Jahrzehnten Oberbürgermeister. Und nach acht Jahren Ex-Oberbürgermeister. Das war es schon. So wenig! Kein Stoff für eine Erzählung. Oder doch?
Und warum erzähle ich diese Geschichte - und nicht Uro selbst? Helmut Schmidt soll einmal gesagt haben, dass Memoirenschreiber dazu neigen, die eigene Nase schöner zu beschreiben, als sie ist.
Ich werde Uro und seine Nase nicht schöner beschreiben, als sie sind, und sowieso erzähle ich dies alles aus der Vogelperspektive. So viel Distanz und Höhe sind wichtig, um nicht bei diversen Nasen zu landen. Immer wird sich das allerdings nicht vermeiden lassen. In Deutschland gibt es gegenwärtig 305 Städte, die einen Oberbrügermeister haben. Pardon: 35 davon sind OberbürgermeisterINnen! In einer nordwürttembergischen Stadt ist der Wechsel zur IN im August dieses Jahres erfolgt, und seitdem ist Uro dort OUT In die sein Buch geht es um seinen Weg bis dahin und darüber hinaus um eine ganz individuelle Geschichte.
Da trifft es sich gut, dass im Sommer 2007 ein politisch brisantes Buch von Timm Kern erschienen ist: Warum werden Bürgermeister abgewählt? Es ist eine wissenschaftliche, repräsentative Analyse von 150 Nicht Wiederwahlfällen in Baden-Württemberg bis zum Jahr 2003. Kern untersucht nach eigenem Bekenntnis das Phänomen mit politikwissenschaftlichen Methoden und will nicht auf die Frage antworten: "Wie war es wirklich?" Auch nicht "Wurde der Amtsinhaber zu Recht abgewählt? Entsprachen die Vorwürfe der Wahrheit'?" Aufklärung des Einzelfalls steht nicht im Fokus, das überlässt er Lokalhistorikern oder Biographen. Ihn interessiert, was sich aus der Summe der Einzelfälle verallgemeinern lässt. Und das flächendeckend für ganz Baden-Württemberg.
Das Buch über Uro dagegen zeigt einen einzelnen, aktuellen Fall, ist nicht wissenschaftlich und nicht repräsentativ, sondern narrativ. Kerns Analyse von 150 Fällen wird aber immer mal wieder herangezogen, weil sie interessante Querbezüge ermöglicht.  Und überhaupt: Wir werden viel fliegen in diesem Buch, zwischen Orten, Zeiten und Horizonten umher, weil die Geschichte neuer Blickwinkel bedarf.  Nachdem in seinem Fall in den letzten Jahren oft Schmierfinken und Spottdrosseln am Werke waren, um seinen Ruf ins Land zu schreien, wird im Zuge ausgleichender Gerechtigkeit hier individuell und zugespitzt von Gespinnsten erzählt werden, die ein Politikwissenschaftler außen vor lassen müßte, um zum Ende zu kommen. Um ein Ende geht es auch in diesem Buch, um das Ende als OB, das zu einem Neuanfang wurde. Eine neue Qualität, würde Marx sagen (der ebenso wie Uro aus der Gegend um Trier herum stammt) und das Ganze dialektisch betrachten: Eine neue Qualität entsteht, wenn sich die Widersprüche innerhalb der alten Qualität zu sehr zugespitzt hatten.  Das macht Entwicklungen aus. Zum Dialektischen kommt das Historische dazu, das wir ebenfalls betrachten wollen. Denn ehe jemand Ex-Oberbürgermeister wird, muß er Oberbürgermeister werden. Und ehe jemand Oberbürgermeister wird, muß er jemand werden, der Oberbürgermeister werden kann. Deshalb beginnt diese Geschichte ganz vorn - in Uros Kindheit, als er noch gar nicht wußte, was ein Oberbürgermeister eigentlich ist.
Als Erwachsener dagegen kommt man gar nicht daran vorbei, sich Gedanken zu machen, was ein Oberbürgermeister eigentlich ist und warum sich so oft Skandalmeldungen mit dieser Spezies verbinden. Oberbürgermeister sind neben wichtigen Politikern, Fußballspielern, Film und Musikprominenten und Managern eine Berufsgruppe, über die in den Medien am häufigsten berichtet wird. Meistens zerschneiden sie dann Bänder, für neue Ortsumfahrungsstraßen oder zwischen sich und Gemeinderatsmitgliedern, die ganz besondere Bürger sind. Es sind auch immer ganz besondere Städte, wo was umfahren werden muß.  Oder ganz verfahren läuft.
Warum die Geschichte eines Ex-OB’s, werden Sie fragen, und nicht eine über einen aus den vier zuvor genannten Berufsgruppen? Über die gibt es doch schon so viele Bücher! Und außerdem: Wichtige Politiker leben meist ziemlich abgeschirmt, schon gar nicht mehr richtig unter uns.
Fußballspieler sind oft verletzt oder stecken grade in einem Transfer. Bei Film und Musikprominenten weiß man nie so genau, ob sie schon in der Maske waren.
Und Manager machen vielleicht gerade eine Lustreise. Oberbürgermeister und besonders Ex Oberbürgermeister jedoch wandeln unmittelbar unter uns und sind Leute, wo wir ja vielleicht denken: hätte ich auch werden können!
Und genau diese Frage, ob Sie s auch hätten werden können (und nach der Lektüre dieses Buches noch werden wollen würden!) sollten Sie sich stellen, wenn Sie Uros Weg verfolgen:
Wie er heranwuchs und erst alles Mögliche, dann Oberbürgermeister und schließlich
Ex-Oberbürgermeister wurde.

Februar 2008 Kornwestheim

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